Wer sich in Österreich selbstständig macht, ist vom ersten Tag an bei der SVS versichert, der Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen. 2026 schreibt sie dir mindestens 160,81 € im Monat vor und höchstens 2.182,17 €. Dazwischen gehen rund 24 % deines Gewinns an die Sozialversicherung. Tückisch ist dabei vor allem der Zeitpunkt: In den ersten Jahren verlangt die SVS nur den Mindestbeitrag. Die Abrechnung für dein tatsächliches Einkommen kommt Jahre später, und dann auf einmal.
Dieser Artikel gilt für Österreich. In Deutschland sind die meisten Selbstständigen nur in der Kranken- und Pflegeversicherung pflichtversichert, eine SVS gibt es dort nicht.
Wer bei der SVS pflichtversichert ist
Wie hoch die Beiträge 2026 sind
Die Beiträge teilen sich auf vier Töpfe auf. Drei davon sind ein Prozentsatz deiner Beitragsgrundlage, der vierte ist ein fixer Betrag (§ 27 GSVG):
Zusammen sind das 26,83 % der Beitragsgrundlage plus 155,40 € im Jahr. Nach unten und oben ist die Beitragsgrundlage begrenzt, damit ergeben sich für 2026 diese Grenzen:
| Beitragsgrundlage im Monat | Beitrag im Monat | Beitrag im Jahr | |
|---|---|---|---|
| Mindestens | 551,10 € | 160,81 € | 1.929,72 € |
| Höchstens | 8.085,00 € | 2.182,17 € | 26.186,04 € |
Wie die Beitragsgrundlage entsteht
Grundlage sind deine Einkünfte laut Einkommensteuerbescheid, dein Umsatz spielt keine Rolle. Weil du die SVS-Beiträge dort schon als Betriebsausgabe abgezogen hast, zählt sie die vorgeschriebenen Pensions- und Krankenversicherungsbeiträge wieder dazu (§ 25 GSVG). Die Summe, geteilt durch deine Versicherungsmonate, ist die Beitragsgrundlage. Der Gewinnfreibetrag nach § 10 EStG senkt die Einkünfte im Bescheid und damit auch die Beiträge. Den Grundfreibetrag von 15 % bis 33.000 € Gewinn bekommst du dabei automatisch.
Weil der Steuerbescheid erst lange nach dem Jahr kommt, rechnet die SVS in zwei Schritten:
Warum im dritten Jahr die Nachzahlung kommt
Ein Rechenbeispiel, mit den Werten 2026 gerechnet: Lena macht sich am 1. Jänner 2026 als Grafikdesignerin mit freiem Gewerbe selbstständig und verdient jedes Jahr rund 36.000 € vor Sozialversicherung.
2026 und 2027 schreibt ihr die SVS den Mindestbeitrag vor, 160,81 € im Monat. Das fühlt sich günstig an. Im Lauf von 2027 kommt der Steuerbescheid für 2026, und die SVS rechnet nach: Lenas Beitragsgrundlage lag bei rund 30.800 €. In die Pensionsversicherung hätten 18,5 % davon gehört, also 5.697 €. Gezahlt hat sie 1.223 €. Die Differenz von 4.473 € kommt im Jahr darauf in vier Teilbeträgen zu je rund 1.118 € (§ 35 GSVG).
In der Krankenversicherung zahlst du in den ersten beiden Jahren nur den Mindestbeitrag, egal wie viel du verdienst, und es wird nichts nachgefordert. Das ist die Erleichterung für Gründer mit Gewerbeschein. Ab dem dritten Jahr wird auch die Krankenversicherung nach deinem tatsächlichen Einkommen nachbemessen.
| Jahr | laufende Beiträge | Nachzahlung | zusammen |
|---|---|---|---|
| 2026 | 1.930 € | keine | 1.930 € |
| 2027 | 1.930 € | keine | 1.930 € |
| 2028 | 1.930 € | 4.473 € für 2026 | 6.403 € |
| 2029 | rund 8.400 €¹ | 4.473 € für 2027 | rund 12.900 €¹ |
¹ Laufende Vorschreibung nach Lenas Beitragsgrundlage von 2026. Die SVS wertet sie dafür noch mit den Aufwertungszahlen der Jahre 2027 bis 2029 auf (§ 25a GSVG), der tatsächliche Betrag liegt also etwas darüber.
Die SVS verlangt also nicht mehr, sie verlangt es später. Für 2026 zahlt Lena insgesamt 6.403 €, knapp 18 % ihres Gewinns, nur eben zwei Drittel davon erst 2028. Im vierten Jahr trifft dann alles zusammen: Die laufenden Beiträge richten sich jetzt nach ihrem echten Einkommen, die Nachzahlung für 2027 läuft noch, und die Abrechnung für 2028, dann schon mit Krankenversicherung, steht aus.
Angenommen sind dabei ein gleichbleibender Gewinn, nur der Grundfreibetrag und ein Steuerbescheid jeweils im Folgejahr. Die Beträge der Folgejahre steigen etwas, an der Größenordnung ändert das nichts.
Drei Wege aus der Nachzahlungsfalle
Was du im Jahr zahlst: Beiträge nach Gewinn
Die Tabelle zeigt, was bei gleichbleibendem Gewinn ab dem dritten Jahr im Jahr anfällt. „Gewinn vor SVS” ist das, was nach allen anderen Betriebsausgaben übrig bleibt, bevor die Sozialversicherung abgezogen wird.
| Gewinn vor SVS | SVS im Jahr | SVS im Monat |
|---|---|---|
| bis rund 7.700 € | 1.929,72 € | 160,81 € |
| 10.000 € | rund 2.460 € | rund 205 € |
| 20.000 € | rund 4.800 € | rund 400 € |
| 30.000 € | rund 7.140 € | rund 595 € |
| 40.000 € | rund 9.480 € | rund 790 € |
| 50.000 € | rund 12.020 € | rund 1.000 € |
| 60.000 € | rund 14.660 € | rund 1.220 € |
| 80.000 € | rund 19.950 € | rund 1.660 € |
| ab rund 103.600 € | 26.186,04 € | 2.182,17 € |
Gerechnet ist mit den Werten 2026 für ein Einzelunternehmen mit Gewerbeschein, mit dem Grundfreibetrag und unter der Annahme, dass vorläufige und endgültige Beiträge übereinstimmen. Über die ganze Spanne sind es rund 24 % des Gewinns, daher die Faustregel.
Ausnahmen, wenn du wenig verdienst
Mit Gewerbeschein kannst du dich auf Antrag von der Kranken- und Pensionsversicherung befreien lassen, wenn dein Umsatz im Jahr höchstens 55.000 € und deine Einkünfte höchstens 6.613,20 € betragen (§ 4 Abs. 1 Z 7 GSVG). Die Unfallversicherung von 12,95 € im Monat bleibt. Dafür sammelst du in dieser Zeit keine Pensionszeiten und hast über die SVS keinen Krankenversicherungsschutz. Die SVS prüft im Nachhinein anhand deines Steuerbescheids, ob du die Grenzen eingehalten hast. Liegst du darüber, zahlst du rückwirkend. Wie die Umsatzgrenze genau funktioniert, steht im Ratgeber zur Kleinunternehmergrenze in Österreich.
Als Neue Selbständige bist du unter 6.613,20 € Einkünften gar nicht pflichtversichert. Überschreitest du die Grenze, musst du das der SVS selbst melden. Tust du das innerhalb von acht Wochen nach dem Einkommensteuerbescheid, bleibt es bei den normalen Beiträgen. Sonst schlägt die SVS 9,3 % auf die Pensions- und Krankenversicherungsbeiträge auf.
Wann du zahlst
Die SVS schreibt die Beiträge vierteljährlich vor. Fällig sind sie jeweils am Ende des zweiten Monats im Quartal, also am 28. Februar, 31. Mai, 31. August und 30. November. Nachzahlungen kommen zu denselben Terminen, je ein Teilbetrag. Mit der ersten Vorschreibung im Februar schickt dir die SVS eine Jahresvorschau, mit der du den Rest des Jahres planen kannst.
Was du für dein Geld bekommst
Angestellt und selbstständig zugleich
Arbeitest du daneben noch angestellt, bist du doppelt versichert und zahlst in beiden Systemen. Nach oben begrenzt ist das trotzdem: Die Höchstbeitragsgrundlage von 97.020 € im Jahr gilt für alle Einkommen zusammen. Die SVS gleicht das von sich aus ab und schreibt dann weniger vor. Was du darüber hinaus schon gezahlt hast, bekommst du zurück.
SVS-Beiträge senken deine Steuer
Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung sind Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 4 EStG). Als Einnahmen-Ausgaben-Rechner ziehst du sie in dem Jahr ab, in dem du sie zahlst, eine Nachzahlung also erst im Jahr der Zahlung. Das dämpft den Schlag etwas: Lena liegt mit ihrem Einkommen im 30-%-Tarif und holt sich von der Nachzahlung über 4.473 € so rund 1.340 € über die Einkommensteuer zurück.
Kurz notiert: die fünf Werte für 2026
So macht LazyBill das für dich
LazyBill rechnet deine SVS-Beiträge nicht aus, das bleibt bei der SVS und deiner Steuerberatung. Es liefert dir aber die Zahl, von der du die Rücklage ableitest: Das Reporting zeigt dir jeden Monat, was deine Rechnungen eingebracht und deine Belege gekostet haben, ohne dass du etwas zusammenrechnen musst. Wer daraus jeden Monat knapp ein Viertel auf ein eigenes Konto legt, sieht der Nachbemessung gelassen entgegen. Und am Jahresende geht alles gesammelt an deine Kanzlei, die daraus die Einkommensteuererklärung macht, nach der die SVS später abrechnet.